cq

Christina Quast Projektbüro TdM c/o Grimme-Institut

Gibt es noch Datenschutz oder schon Kontrollverlust?

 Diskussion, Thema vertrauen  Kommentare deaktiviert für Gibt es noch Datenschutz oder schon Kontrollverlust?
Dez 112012
 

Experte Michael Seemann, Moderatorin Aycha Riffi (Grimme-Institut) und Experte Ulrich Lepper

Datenschutz als wichtiger Grundsatz oder wirkungsloses Relikt – weiter konnten die Positionen der Experten in der Debatte vertrauen nicht voneinander entfernt sein. Ulrich Lepper, der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW, und der Blogger Michael Seemann argumentierten ganz gegensätzlich zum Thema Vertrauen im Internet.

Datenschutz soll Menschen in die Lage versetzen, zu erkennen und zu entscheiden, welche persönlichen Informationen gespeichert und verarbeitet werden, erklärte Ulrich Lepper. Dagegen urteilte Michael Seemann: „Die informationelle Selbstbestimmung ist ein längst überkommenes Ideal“. Einen nicht funktionierenden Datenschutz sieht der Blogger auch nicht als Problem: „Ich sehe das Gefahrenpotenzial nicht. Was kann passieren? Ziemlich wenig.“

Dagegen vermutete Seemann, dass soziale Netzwerke wie facebook und twitter durch strengen Datenschutz verhindert worden wären. Denn die bekannten Social Media Dienste beruhen auf dem Prinzip, dass Nutzer(innen) persönliche Informationen und Interessen veröffentlichen, um sich zu vernetzen und auszutauschen. „Ich meine, durch Datenschutz wird mehr Freiheit zerstört als geschützt“, verdeutlichte Seemann seine Position. Lepper erwiderte, dass Datenschutz nicht gegen die Errungenschaften der digitalen Medien steuere.

Michael Seemann, Aycha Riff und Ulrich Lepper

Nicht überraschend nannten die beiden Experten ganz verschiedene Ziele, denen gegenüber persönliche Daten noch stärker geschützt werden müssten. Die Kritik von Ulrich Lepper richtete sich gegen Unternehmen im Internet, die sich Daten zur Verfügung stellen lassen, aber weder eine Gegenleistung noch Aufklärung über die Speicherung und Verarbeitung der persönlichen Informationen bieten. Im Fokus: facebook. „Mein Vertrauen ist nicht vorhanden, weil ich nicht weiß, was mit meinen Daten geschieht“, sagte Lepper über das weltweit erfolgreiche soziale Netzwerk. Schließlich würden schon durch das Anklicken einer Website mit dem Like-Button verschiedene Daten an facebook übermittelt und verarbeitet. Auch die Nutzerprofile im Design eines chronologischen Zeitstrahls mache ein Menschenleben aus dem öffentlichen Raum verfolgbar.

Michael Seemann möchte persönliche Daten gegenüber dem Staat geschützt wissen: „Der Staat kann mich ins Gefängnis bringen und mein Leben zerstören. Google und facebook können höchstens gegen mich klagen“ argumentierte der Blogger. Der Staat brauche bestimmte Daten seiner Bürger(innen), um zu funktionieren, entgegnete Lepper: „Als Kontrolle gibt es Gesetze.“

MdL Lisa Steinmann (SPD) und MdL René Schneider (SPD) in der Debatte zum Thema „vertrauen“

Während der Debatte vertrauen näherten sich die Experten nur in einem Punkt an – der weitgehenden Unwiderruflichkeit von persönlichen Daten im Internet. „Es gibt kein Recht auf Vergessen mehr“, beklagte Ulrich Lepper und forderte ein, dass Nutzer(innen) steuern müssen können, welche Informationen sie in der Welt halten möchten oder nicht. Auch Michael Seemann betonte den Kontrollverlust über die eigenen Daten, aber hält den Prozess für nicht umkehrbar: „Es lässt sich nicht zurückholen, genauso wie man Zahnpasta nicht wieder in die Tube kriegt.“

Das Publikum wollte der Argumentation zum unweigerlichen Kontrollverlust nicht auf sich beruhen lassen. Es stellte die Frage nach einem internationalen Datenschutz, um auch globale Akteure wie facebook in die Pflicht zu nehmen. Zumindest für Europa hält Ulrich Lepper eine einheitliche Lösung für möglich: „In den Grundfragen sind wir und einig – und Deutschland steht mit seinen Datenschutz keinesfalls im Abseits.“

 Veröffentlicht von
Nov 202012
 

Karl Schultheis (links) bei der „Aktion vor Ort“ in Aachen

Bei seiner „Aktion vor Ort“ besuchte MdL Karl Schultheis (SPD) das Unternehmen regio IT in Aachen, das sich für die Initiative „Datenschutz geht zur Schule“ und mehrere IT Projekte für Schulen engagiert. Als früherer Lehrer informierte sich der SPD-Politiker, wie schulische Bildung und digitale Medien aktuell miteinander verknüpft werden.

Ein Beispiel sind die fast 140 „eSchools“ in Aachen und Güterloh, die regio IT mit internetfähigen Geräten ausgestattet hat, um über eLearning über verschiedene Lernplattformen zu ermöglichen. Qualitätsgesicherte Inhalte für den multimedialen Unterricht finden Lehrer(innen) bei learn:line NRW, der Bildungssuchmaschine, für die regio IT auch Dienstleister ist.  „Die mediale Welt ist eine kulturverändernde – und das mit einer Geschwindigkeit, die es früher nicht gegeben hat“, sagte Karl Schultheis,  der Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien  im Landtag NRW ist.

Digitale Medien gehören für viele Jugendliche zum Leben und Lernen, deshalb spielen auch Datenschutz und Datensicherheit eine bedeutende Rolle. Dazu  informiert die bundesweite Initiative „Datenschutz geht zur Schule„, die Schüler(innen) der Klassen 5 bis 12 für einen angemessenen Umgang mit den eigenen und fremden Daten sensibilisieren will. Soziale Netzwerke, Online-Shopping, Handy und Passwörter – was gilt es zu beachten? Und was tun, wenn etwas passiert? „Oft sind Filme am eingängisten“, berichtet Koordinatorin Claudia Husz nachdem Jugendliche an 50 Schulen in der Region durch kompetente Dozent(innen) geschult wurden.

„Beeindruckend, welche Medienkompetenzen heute schon in der Schule vermittelt werden“, so das Fazit von Karl Schultheis nach seiner „Aktion vor Ort“ im Rahmen des Tags der Medienkompetenz.

 Veröffentlicht von

Mitmachen bei der Live-Redaktion von Junge Presse e.V.

 Ausstellung, Presse  Kommentare deaktiviert für Mitmachen bei der Live-Redaktion von Junge Presse e.V.
Nov 112012
 

(c) Barbara Eckholdt / pixelio.de

Wer sich beim Tag der Medienkompetenz selbst als Medienmacher(in) ausprobieren will, kann bei der Live-Redaktion von Junge Presse e.V. mitmachen. Während des Aktionstags werden mit Unterstützung eines Teamers verschiedene Blog-Beiträge im Landtag Düsseldorf erstellt, die direkt auf der Website www.tagdermedienkompetenz.de erscheinen. Dabei sein können junge Medienmacher(innen) zwischen 16 und 24 Jahren.

Wer teilnehmen möchte, schreibt bis zum 19. November eine Mail mit seiner bisherigen Medien-Erfahrung an info@junge-presse.de

Die Junge Presse e.V. unterstützt junge Medienmacher(in) mit Seminaren, Veranstaltungen, Materialien und Live-Redaktionen bei der journalistischen Arbeit. In dem Verein aus Essen sind junge medieninteressierte Menschen ehrenamtlich aktiv, die auch jährlich das JugendMedienEvent organisieren. Dazu kommen rund 500 Jugendliche zusammen, um sich an vier Tage über die Medienwelt zu informieren und aktuelle journalistische Themen zu diskutieren.

 Veröffentlicht von