lg

Lars Gräßer Projektbüro TdM c/o Grimme-Institut

Nov 272012
 
Jürgen Ertelt, ijab/youthpart, Foto: G. Jorczyk, Grimme-Institut

Jürgen Ertelt, ijab/youthpart, Foto: G. Jorczyk, Grimme-Institut

Die ePartizipationsdebatte füllt mittlerweile Bücherregale, wird in Blogs fortgeführt und auf Podien verbal verhandelt. Dr. Stephan Eisel, Projektbeauftragter der Konrad-Adenauer Stiftung für „Internet und Demokratie“, und Jürgen Ertelt, Medienpädagoge und Koordinator des Projekts “youthpart”, einer Initiative von Dialog Internet in Trägerschaft des IJAB, der Fachstelle für internationale Jugendarbeit e.V., hatten sich also einiges vorgenommen für ihre Debatte zum Thema “teilhaben” am Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW.

In einer Demokratie muss sich ein Medium oder ein Kommunikationsraum, wie das Internet, immer daran messen lassen, inwieweit es Beteiligung ermöglicht oder begrenzt. Und hier fiel das  „nüchterne“ Urteil Stephan Eisels eher zurückhaltend aus; er konnte die Interneteuphorie vieler nicht teilen. Das Internet berge eben Chancen und Risiken und die gelte es gleichermaßen in den Blick zu nehmen, was er in  zwölf Thesen versuchte (siehe hierzu auch den Artikel von Natalie Dayekh von der Jungen Presse e.V.).

Ertelt räumte deren Richtigkeit durchaus ein, kam aber – vielleicht seiner Profession entsprechend – zu ganz anderen Konsequenzen, gerade mit Blick auf die (politische) Beteiligung Jugendlicher. Dabei ständen wir erst am Anfang veränderter sozialer Beziehungen und Kommunikationsprozesse durch das Internet – angefangen von der Pflege von Freundschaften bis hin zum Einkaufsverhalten. Es gehe darum, Digitales und Analoges sinnvoll miteinander zu verquicken, um eine demokratische(re) Beteiligungskultur zu etablieren, so Ertelt. Und weiter: „Ich glaube daran, dass man über ePartizipation Benachteiligungen ausgleichen kann, daher plädiere ich für eine bessere Gestaltung der Rahmenbedingungen.“ Bisherige Beteiligungsmodelle brächten vielfach Ausschlüsse und Limitierungen mit sich, wie in Eisels Thesen beschrieben. Dabei hätten gerade die sozialen Online-Medien das Potenzial, Artikulationsschwierigkeiten auszugleichen, so seine Überzeugung. Man denke hier an die gewachsenen Ausdrucksmöglichkeiten mittels Podcast, Webvideo usw. – idealerweise natürlich barrierefrei.

Bedingungen für gelingende ePartizipation sind aus Ertelts Sicht (unter anderem, siehe hierzu ausführlicher: www.ijab.de):

  • Der politische Wille ist erkennbar, dass Ergebnisse der ePartizipation auch berücksichtigt werden: Tatsächliche Entscheidungsoptionen, kein Partizipations-Placebo
  • Es gibt einen Grund für ein ePartizipationsverfahren.
  • Qualifizierte Informationen liegen vor, möglichst adressatengerecht aufbereitet.
  • Es gibt eine Transparenz des Verfahrens, Ansprechpartner sind klar und damit auch mögliche Interessenslagen.

Was tun?

Unterstützung bedeuten auf diesem Weg Maßnahmen zur Medien- aber auch zur Demokratiekompetenzförderung, so Ertelt. Jugendliche müssen lernen, selber aktiv zu werden, mediale Inhalte selber zu produzieren, im Sinne einer praktischen, politischen Teilhabe. Und am Ende ist es dann immer auch eine Bildungsfrage. Weitere Erfahrungen gelte es mit ePartizipationsverfahren zu sammeln, so Ertelt, er persönlich entwickle gerade die Adhocracy-Software im Rahmen seiner Projektarbeit zu diesem Zweck für Jugendliche weiter.

Dr. Stephan Eisel, KAS/Projekt "Internet und Demokratie", Foto: G. Jorczyk, Grimme-Institut

Dr. Stephan Eisel, KAS/Internet und Demokratie, Foto: G. Jorczyk, Grimme-Institut

In der anschließenden Diskussion verdeutlichte Eisel noch einmal die seines Erachtens teils prekäre Ambivalenz des Internets: Dass es nichts vergisst, sei für die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungsprozessen vorteilhaft, untergrabe aber demokratische Grundprinzipien wie geheime Wahlentscheidungen. Hier komme die medial ermöglichte Transparenz an ihre Grenzen, wobei Transparenz auch manchmal eine Überfülle an Informationen nach sich ziehe, die die rationale Entscheidsfindung häufig unmöglich machen.

Und WDR.de twitterte (#TdM12) aus der Debatte: „Beide Experten sind überhaupt nicht damit zufrieden, wie Bürgerbeteiligung bei Bürgerhaushalten umgesetzt wird.“

Letztlich geht es wohl um einen starken oder schwachen Beteiligungsbegriff – „schwach“ im Sinne von informiert werden und sich im Vorfeld von Entscheidungsprozessen in die Diskussion einzubringen, oder „stark“ im Sinne von an Entscheidungen teilhaben können. Während Ertelt der Meinung ist, dass zumindest gegenwärtig eine „schwache“ Beteiligung der Maßstab des Möglichen sei – unterstützt von MdL Matthi Bolte (Grüne) aus dem Publikum – räumte er mit Blick auf die „starke“ Form der Beteiligung ein: „Für das Mitentscheiden haben wir aktuell einfach noch nicht die Software.“

Am Ende zeigte sich eine hohe Übereinstimmung in der Diagnose, aber stark abweichende Meinungen in der Interpretation: Während Dr. Eisel eine „nüchterne“ – keine „skeptische“, wie er gegenüber Moderator Friedrich Hagedorn vom Grimme-Institut betonte – Position einnahm, versuchte Ertelt, die Potenziale der ePartizipation hervor zu kehren, die neue Beteiligungsmöglichkeiten offerieren könnten. Eine demokratische Beteiligungskultur, und darin waren sich die Beteiligten wiederum einig, erfordere daher noch viele weitere Diskussionen und Anstrengungen: auf Seiten der Mediennutzer genauso wie auf Seiten der Vermittler von Medienkompetenz und nicht zuletzt auch der politischen Akteure.

 

 

 

 Veröffentlicht von

Live-Eindrücke via Stream und Social Media

 Diskussion  Kommentare deaktiviert für Live-Eindrücke via Stream und Social Media
Nov 212012
 

Der Zuspruch zum „Tag der Medienkompetenz 2012“ ist groß, vielen musste leider abgesagt werden: Per Live-Stream aus dem Plenarsaal können sie jedoch über die Webseite des Landtags weite Teile der Veranstaltung verfolgen. Gestreamt werden

  • die Begrüßungen (10:30 – 11:00 Uhr),
  • die Debatte zum Thema „lernen“ mit Dr. PaulaBleckmann und Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke (13:30 – 15:00 Uhr) und
  • die Abschlussrunde, in der alle Debatten zusammengefasst und abschließend mit Abgeordneten diskutiert werden (15:30 – 18:00 Uhr).

Über Facebook und Twitter können Interessierte ebenfalls auf dem Laufenden bleiben, jeweils unter:

Außerdem wird der WDR-Autor Peter Schneider am 26. November vor Ort sein und über den Tag der Medienkompetenz via Twitter berichten: @WDR_live #TdM12

Die Junge Presse e.V. wird hier über den Tag der Medienkompetenz bloggen und Live-Eindrücke vermitteln.

 

 Veröffentlicht von

Digital unterwegs

 Die Aktionen  Kommentare deaktiviert für Digital unterwegs
Nov 202012
 
v.l.n.r.: Ginger Claasen (Siemens AG), Werner Schäfers (Amtsleiter), Christiane Mackensen (stellv. Bürgermeisterin Soest), ????, MdL Eckhrad Uhlenberg (CDU), Jörn Peters (Projektleiter NAV4BLIND

v.l.n.r.: Andreas Rathöfer (im Hintergrund, Amt für Bau, Kataster, Straßen und Umwelt), Ginger Claasen (Siemens AG), Werner Schäfers (Amtsleiter Bau, Kataster, Straßen und Umwelt), Christiane Mackensen (stellv. Bürgermeisterin Soest), Winfried von Schroeder (Dezernatsleiter Bau, Kataster, Straßen und Umwelt), MdL Eckhard Uhlenberg (CDU), Jörn Peters (Projektleiter NAV4BLIND, Amt für Bau, Kataster, Straßen und Umwelt)

Was klingt, wie ein Geigerzähler, ist tatsächlich die Akkustik der App „Cityguide“ des Projekts „NAV4BLIND“, mit deren Hilfe Blinde, Sehbehinderte und Sehende ab sofort einfach per Fingertipp mit ihrem Smartphone durch die Straßen Soests navigieren können. „Nav4Blind“ (bzw. das daran anschließende „Guide4Blind“) ist ein Projekt des Kreises Soest, genauer; des Dezernats Bau, Kataster, Straßen, Umwelt, Liegenschaften und Vermessung, der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Soest mbH, der Siemens AG sowie der Geomobile GmbH. Entsprechend besuchte Landtagsvizepräsident MdL Eckhard Uhlenberg (CDU) am 19. November, den Kreis Soest und ließ sich per App durch die Stadt navigieren. Apps sind kleine Programme, die man sich über das Internet auf sein Smartphone laden kann.

Nutzen für alle

NAV4BLIND-Projektleiter Jörn Peters

NAV4BLIND-Projektleiter Jörn Peters

2006 gab der Landrat grünes Licht für dieses außergewöhnliche Projekt, das Inklusion als medienpolitische Forderung nicht nur propagiert, sondern bereits umgesetzt hat. In diesen Tagen werden alle Apps im App Store als Download verfügbar und damit für rund 1.200 Blinde und Sehbehinderte sowie rund 47.800 Sehende in Soest nutzbar sein. Aber es nutzt nicht nur Menschen mit Sehbehinderungen, alle profitieren davon. Jörn Peters, Projektleiter Nav4Blind, erläutert die Projektziele: „Das Projektergebnis ist nicht nur für Blinde gut, sondern auch für Sehende. Jeder soll teilhaben können. Wir wollen nicht stigmatisieren.“

Ausgerüstet mit einem GPS-gesteuerten Smartphone (unterstützt werden derzeit die Plattformen Apple sowie Android) oder einem bei der Stadt Soest geliehenem GPS-Sender kann sich jeder Interessierte auf eine definierte Route oder ganz individuell auf den Weg durch Soest begeben. Die Plattform Apple bietet sich derzeit als sehr geeignete Plattform an, da sie ohne Aufpreis für den Nutzer Barrierefreiheit mit ihren Produkten zur Verfügung stellt, wie beispielsweise eine integrierte Sprachausgabe.

Digitaler Stadtführer

Und so sieht das dann aus

Cityguide im Praxistest

Die Navigation erfolgt dabei beim Smartphone wahlweise durch ein akustisches Signal – ähnlich einem Geigerzähler (wie eingangs erläutert), durch Vibration oder eine Sprachausgabe. Der Bewegungskorridor – so Jörn Peters – liegt bei iPhone Smartphones derzeit zwischen 10-5m. Per GPS sei die Ortung im „Submeterbereich“; sie liegt unter einem  Meter in der Breite. Alle Soester „Points of Interest“ (POI) – vom Café bis zur Sehenswürdigkeit, wie der Wiesenkirche, finden sich in der „Cityguide“ Karte wieder und sind vielfach mit Zusatzinformationen, wie Öffnungszeiten und historischen Informationen ausgerüstet.

MdL Eckhard Uhlenberg testet selbst

MdL Eckhard Uhlenberg testet selbst

Die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen erfolgt über zusätzliches Audiomaterial je Sehenswürdigkeit, das in Kooperation mit der Deutschen Hörfilmgesellschaft, Berlin, mit bekannten Sprechern, wie Rufus Beck (für Kinder), Anna Thalbach und Hans Peter Hallwachs (mehrsprachig für Erwachsene in deutsch, englisch und niederländisch) entwickelt wurde.

MdL Eckhard Uhlenberg Vizepräsident des NRW-Landtags, ist „ganz begeistert“ und honoriert das Projekt als „eine tolle Sache“.

Wichtig ist Jörn Peters jedoch bei allen technischen Möglichkeiten der Hinweis, ein Verzicht auf gelernte Navigationsmittel, wie den Taststock, sei nicht möglich. Die Apps seien immer unterstützend, jedoch nicht ersetzend zu begreifen. „Wir können keine hundertprozentige Sicherheit bieten,“ so Peters.

Analoges unterstützt Digitales

v.l.n.r.: Friedrich Hagedorn (Grimme Institut) Ginger Claasen (Siemens AG), Werner Schäfers (Amtsleiter), Christiane Mackensen (stellv. Bürgermeisterin Soest), MdL Eckhard Uhlenberg (CDU), Jörn Peters (Projektleiter NAV4BLIND

v.l.n.r.: Friedrich Hagedorn (Grimme Institut), MdL Eckhard Uhlenberg (CDU), Christiane Mackensen (stellv. Bürgermeisterin Soest), Ginger Claasen (Siemens AG), Werner Schäfers (Amtsleiter Bau, Kataster, Straßen, Umwelt), Jörn Peters (Projektleiter NAV4BLIND, Amt für Bau, Kataster, Straßen und Umwelt)

Um gerade die Sehenswürdigkeiten begreifbar zu machen, gibt es 3D-Modelle von Dom, Wiesenkirche oder Osthofentor, die neben den Audiozusatzinformationen der Apps ein haptisches Tast-Erlebnis beim Entdecken der Soester Stadt bieten und direkt vor den Originalen platziert sind. Mittlerweile sind die Modelle zum Treffpunkt vieler Soester sowie Touristengruppen geworden.

Das Projekt weckte bereits Interesse bei anderen großen, deutschen Städten, wie Düsseldorf. In Berlin startet das Projekt am 1.Dezember 2012 mit 450 Straßenkilometern in Berlin Mitte.

 

 Veröffentlicht von

Partycipation!

 Die Aktionen  Kommentare deaktiviert für Partycipation!
Nov 162012
 
v.l.n.r.: Dr. Harald Gapski (Grimme Institut), Natalie Dayekh, Louisa Vossen und Linn Schulte (alle YOUPOD), Achim Radau Krüger (Düsseldorfer Jugendring), MdL Oliver Keymis

v.l.n.r.: Dr. Harald Gapski (Grimme Institut), Natalie Dayekh, Louisa Vossen und Linn Schulte (alle YOUPOD), Achim Radau Krüger (Düsseldorfer Jugendring), MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen, Vizepräsident des Landtags NRW)

Was geht ab in Düsseldorf? 14- bis 20-Jährige Düsseldorfer finden auf youpod.de aktuelle Nachrichten und Berichte aus allen Bereichen der Stadt, viele Tipps zum Thema Freizeit, Sport und Musik sowie aufklärende und emotionale Erlebnisberichte – vielfach von Jugendlichen für Jugendliche und das komplett werbefrei. Die Nutzer sind hier selbst Autoren, Fotografen oder auch Kamerafrauen und -männer, die vielfachen Objekte der Berichterstattung werden zu deren Subjekten.

Es geht um Teilhabe

Linn Schulte (Projektleiterin YOUPOD beim Düsseldorfer Jugendring) und Achim Radau-Krüger (Geschäftsführer des Jugendrings Düsseldorf)

Linn Schulte (Projektleiterin YOUPOD beim Düsseldorfer Jugendring) und Achim Radau-Krüger (Geschäftsführer des Jugendrings Düsseldorf)

„Dahinter steht ein partizipativer Ansatz“, erklärt Achim Radau-Krüger, Geschäftsführer des Jugendrings Düsseldorf, der Organisation hinter YOUPOD.  Der Name steht für Jugendportal Düsseldorf, wobei das Wort „Jugend“ durch den englischen Ausdruck „Youth“ ersetzt wurde: YOUth-POrtal Düsseldorf oder kürzer: YOUPOD. Im Rahmen der „Aktionen vor Ort“ hat Landtagsvizepräsident MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen) dem Jugendinternetportal YOUPOD am 14. Nov. einen Besuch abgestattet, traf die „Macher“ von YOUPOD und stand der Redaktion Rede und Antwort, vertreten durch Natalie Dayekh und Louisa Vossen.

Eine Redaktionsgruppe trifft sich wöchentlich im Jugendinformationszentrum zeTT, deren Mitglieder auf Termine gehen und Ausgehtipps abseits der bekannten Adressen in Düsseldorf geben (wollen). Aber es besteht auch die Möglichkeit, sich von zu Hause aus einzuloggen und Artikel hochzuladen. Die redaktionelle Freigabe erteilt in diesem Fall Linn Schulte, Sozialpädagogin beim Jugendring Düsseldorf und hier für das Jugendinternetportal zuständig. „Anders ist das nur in der Shoutbox“, dem Liveticker des Portals, so Schulte.

Qualität

Louisa Vossen (YOUPOD)

Louisa Vossen (YOUPOD)

Für die Qualitätssicherung sorgen themenbezogene Workshops (etwa zu „Recherchieren gegen Rechts“) sowie eine  Kooperation mit den alljährlich stattfinden Jugendmedientagen (Anlass für eine weitere „Aktion vor Ort“am 24. Nov.), die in diesem Jahr am Wochenende vor dem Tag der Medienkompetenz am 26. November veranstaltet werden. Der Jugendring Düsseldorf ist auch hier die Organisation hinter den Jugendmedientagen, sie sind ein weiteres Projekt und geben Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen professionellen Einblick in das breite Feld der Medien – von Print- bis Online-Medien, Fotografie, Film, Radio, Public Relations und anderes mehr.

Landtagsvizepräsident MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen)

Landtagsvizepräsident MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen)

Interessant ist, dass sich über Angebote wie YOUPOD Jugendliche wieder für Politik interessieren – nicht nur, weil der Düsseldorfer Jugendrat hier über eine eigene Rubrik verfügt. Kommunalwahlen waren bereits Thema, vorgeschlagen etwa von Louisa Vossen.

„Und es hat nie Probleme mit kritischen Artikeln gegeben?“ will Landtagsvizepräsident MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen) wissen. Achim Radau-Krüger kann sich nur an einen Fall erinnern: „Da hat eine Viehrzehnjährige einen Abgeordneten der Linken – für seinen Geschmack – falsch zitiert, wir haben uns dann vor das Mädchen gestellt. Er hatte das so gesagt, was in der Debatte, die ich selber moderiert habe, schon für Diskussionen gesorgt hat. Vielleicht hatte er es anders gemeint, aber gesagt ist gesagt.“ Keymis‘ Reaktion: „Das muss man aushalten können.“

Geschlechterverteilung

Natalie Dayekh (YOUPOD) interviewt MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen)

Natalie Dayekh (YOUPOD) interviewt MdL Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen)

Weiterhin will er wissen: „Und wie ist es mit der Geschlechterverteilung in der Redaktion? Heute sind zwei junge Damen hier!“ Schulte räumt ein: „Es sind schon mehr Mädchen als Jungs, aber es gibt auch Jungs.“ Einige sind schon von Anfang an dabei – 2010 ist YOUPOD online gegangen -, einige neu hinzu gekommen. Probleme bereitet eher das verkürzte Abitur G8, welches ehrenamtliches Engagement (am Nachmittag) bei Schülerinnen und Schülern erschwert. Hier kommt der partizipative Ansatz an seine Grenzen.

Oliver Keymis im Gespräch mit Natalie Dayekh: das YOUPOD-Interview.

Nov 142012
 

v.l.n.r.: Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut), Mdl Daniel Schwerd (Piraten), Jürgen Sleegers und Christopher Wandel (beide Inst. Spielraum / FH Köln) sowie Lars Gräßer (Grimme-Institut)

„Spielraum“ eröffnet „Spielräume“, so lässt sich vielleicht die „Aktionen vor Ort“ zusammenfassen, die am 12. November in Köln stattgefunden hat: MdL Daniel Schwerd (PIRATEN-Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien) besuchte das Institut „Spielraum“ der FH Köln, welches die individuelle Medienkompetenz – von Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrer, Pädagogen und andere Multiplikatoren – mit ganz unterschiedlichen Methoden, Materialien und Praxisprojekten im Bereich „games“ fördert.

Das Institut „Spielraum“ gibt es seit dem 1. November 2006 und ist als In-Institut in die Fachhochschule Köln eingebunden. Dort unterhält es seine Geschäftsräume, ist durch den Aufbau eines Netzwerkes und die Ausbildung von Referenten und Multiplikatoren aber auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv. Das Besondere: Hier engagiert sich unter anderem die Spieleindustrie. „Spielraum“ geht zurück auf eine gemeinsame Initiative des „Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik“ der Fachhochschule Köln sowie der Unternehmen Electronic Arts Deutschland und Nintendo Deutschland. Electronic Arts unterstützt das Institut finanziell, wie Jürgen Sleegers eingangs erläutert – einer der Menschen „hinter“ dem Institut „Spielraum“ -, wobei „aktiv“ keine inhaltliche Einmischung bedeutet, wie Sleegers unterstreicht.

Formate

Jürgen Sleegers (Inst. Spielraum / FH Köln)

Jürgen Sleegers (Inst. Spielraum / FH Köln)

Zu den angebotenen „Spielräumen“ zählen Formate wie etwa „Talkshow“: Schüler diskutieren hier über die Alterskennzeichnungen von Computerspielen. Aufgeteilt in verschiedene Rollen (Spieler, Eltern, Spieleindustrie, USK u.a.) vergeben sie eigene Alterskennzeichnungen und lernen so, Computerspiele aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und entsprechende Argumentationen aufzubauen. Ein weiteres Format ist das intergenerativ angelegte „play2gether“, welches bereits zwei Mal im Rahmen der Computerspielemesse „gamescom“ erprobt wurde: An unterschiedlichen Spielstationen und bei einem „play2gether-Quiz“ können Eltern mit ihren Kindern Spaß am gemeinsamen Spiel erfahren und sich als Team kennenlernen – ein Team, das trotz oder vielleicht sogar gerade aufgrund unterschiedlicher Fähigkeiten, Interessen und Ansichten gut zusammen funktionieren kann.

Formate wie diese, und noch viele andere mehr, stehen mittlerweile im Rahmen von „gameskompakt“ zur Verfügung; eine Art Kondensat der bisherigen Arbeit. „gameskompakt“ besteht aus den beiden Säulen „gameskompakt – Medienkompetenz im Koffer“ und „gameskompakt.de – Medienkompetenz im Internet“ und adressiert insbesondere die Zielgruppe der Eltern (Familie), Lehrer (Schule), Pädagogen (Freizeit) und Multiplikatoren (Weiterbildung). Offline funktioniert der gameskompakt-Koffer, der Videospielkonsolen (PS3, Wii, Xbox360) samt Zubehör und ausgewählter Spielesoftware enthält. Das Online-Angebot gameskompakt.de bietet neben kostenlosen und stets aktualisierten Materialien auch die Möglichkeit, Anregungen, Erfahrungsberichte oder eigene Konzepte zu veröffentlichen. gameskompakt.de ist kein „closed shop“, so Jürgen Sleegers.

Kampagne

Spielraum - Institut zur Förderung von Medienkompetenz

Spielraum – Institut zur Förderung von Medienkompetenz

Seit Jahresbeginn führt „Spielraum“ mit Unterstützung vom Institut für Computerspiel „Spawnpoint“ aus Erfurt  die Kampagne „Dein Spiel. Dein Leben.“ durch, die ebenfalls am 12. November vorgestellt wurde. Hinter der Kampagne verbirgt sich ein Projekt zur Prävention und Sensibilisierung junger Menschen bei der Nutzung virtueller Spielwelten, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird und den Handlungsempfehlungen des „Dialog Internet“ nachkommt. „Dabei geht es um ‚game-life-balance'“, bringt es Jürgen Sleegers auf den Punkt, und nicht die einseitige Warnung vor möglichen Suchtproblematiken. Die Vorstellung übernahmen, neben Christopher Wandel vom Institut „Spielraum“, zwei Jugendliche aus Karlsruhe, die aktiv an der Kampagnenentwicklung beteiligt waren: Pascal Bretag und Alex Afanasyev. Denn die Aufklärungskampagne wurde in einem „peer-to-peer“-Prozess maßgeblich von Jugendlichen für ihre Altersgenossen entwickelt. Dabei müsse klar sein, dass es auch „in-game“ Formen sozialer Kontrolle gibt, wie Pascal Bretag verdeutlicht: „Es sind die Clans und Gilden, und auch wir Gamer, die auf übermäßiges Spielen achten.“

v.r.n.l.: MdL Daniel Schwerd (Piraten), Pascal Bretag und Sebastian Pflüger

v.r.n.l.: MdL Daniel Schwerd (Piraten), Alex Afanasyev und Pascal Bretag

Potenziale

Und die Potenziale? Christopher Wandel: „Computerspiele setzen vielfache Lernprozesse in Gang; sensomotorische, soziale und anderes mehr. Die Frage ist allerdings: Inwieweit sind diese auf andere Lebensbereiche übertragbar?“ Jürgen Sleegers ergänzt: „Nicht zu vergessen, finde ich; man lernt durch Computerspiele auch das Spielen. Und Spiel und Spielen ist irgendwie alles: Im Spiel geht es um Herausforderung, Kreativität, Strategie, Problemlösung, Fantasie und Wirklichkeit, es geht um das Verstehen und Ausprobieren, um das Mitspielen, die Mitspieler und um mich, es geht um Gewinnen und Verlieren, um Spaß und um das Spiel und auch um die Freiheit, Spielen zu können. “

„Und was kann die Politik für Sie tun?“, wollte MdL Daniel Schwerd am Ende wissen. Sleegers: „Sich für Computerspiele interessieren – als Kulturgut, als Teil der Jugendkultur, als ökonomisches Gut, in all seinen Facetten. Die Aktion heute ist für mich schon ein Schritt in diese Richtung.“

 Veröffentlicht von
Okt 222012
 

Von links: Tobias Kempf (Computerprojekt Köln), Lisa Steinmann (MdL), Markus Sindermann und Torben Kohring (beide Spieleratgber NRW / Computerprojekt Köln), Lars Gräßer und Dr. Harald Gapski (beide Grimme-Institut)

Teilnehmen und beobachten, Computerspiele spielen und reflektieren schließt sich aus? Es schließt sich nicht aus! Denn darum geht es beim Spieleratgeber NRW. Jugendliche testen hier Spiele und versuchen sie – unter Anleitung – pädagogisch einzuordnen, damit Kaufentscheidungen altersgerecht(er) ausfallen und pot. Käufern auch Inhaltliches an die Hand gegeben wird. Für viele dient der Spieleratgeber NRW daher als Ergänzung zu den gängigen USK-Kennzeichnungen von Computerspielen – ohne sie überflüssig machen zu wollen oder zu können. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist in Deutschland die verantwortliche Stelle für die Altersfreigabe von Computerspielen. Herausgeber bzw. Projektträger des Spieleratgebers NRW ist der ComputerProjekt Köln e.V., der es sich seit 2004 mit dem Ratgeber und weiteren Projekten zur Aufgabe gemacht hat, den kritischen Umgang mit neuen Medien zu fördern und die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bundesweit zu stärken.

Im Rahmen der „Aktionen vor Ort“ des „Tags der Medienkompetenz“ (26. November 2012, Düsseldorf) informierte sich Lisa Steinmann (MdL, SPD-Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien) über den Spieleratgeber NRW und andere Ansätze für die Medienkompetenzförderung vor Ort (und darüber hinaus) am Rande einer LAN-Party im Bürgerzentrum Köln-Deutz. Markus Sindermann, vom Computerprojekt Köln, der u.a. die Jugendgruppe im Rahmen des Projekts Spieleratgeber NRW betreut, ordnet ein: „Eine LAN-Party machen wir ein- zweimal im Jahr, sie ist nicht das Normalprogramm“ und diene eher dem Zusammenhalt der Gruppe. „Ich habe auch einen Poker-Koffer dabei, vielleicht schauen wir auch noch einen Film.“

Lisa Steinmann (MdL)

Lisa Steinmann (MdL)

Querschnittsaufgabe

Während es bei den sonstigen Treffen um die konkrete Spielbewertung geht, stand bei der „Aktion vor Ort“ am 12. Oktober das zweckfreie Spielen und das Zusammensein im Vordergrund, weshalb sich sechs Jugendliche im Bürgerzentrum Köln-Deutz eingefunden hatten. „League of Legends oder auch Minecraft ist momentan ganz weit vorn“, berichtete Torben Kohring, Projektleiter des Spieleratgeber NRW und ebenfalls Mitglied des ComputerProjekt Köln e.V., dessen ebenfalls anwesender Vereinsvorsitzender Tobias Kempf ergänzt: „Mal schauen, heute ist alles möglich, der Abend fängt ja erst an.“

Kohring und Kempf ist wichtig, Jugendliche zusammen zu bringen; Heranwachsenden die „Spielräume“ zu bieten, die sie anderswo nicht (mehr) finden, zumal „Spielen am Computer zwar an sich sozial ist, viel Kommunikation bedeutet, aber nicht zwingend physische Nähe voraussetzt“, so Kohring. „Wir wollen Ansätze entwickeln, die über den Präventionsgedanken hinaus gehen“, es geht um Medienkompetenz als eine Art Lebenskompetenz, ein kulturelles Vermögen zur Teilhabe. So auch Lisa Steinmann (MdL): „Wir müssen begreifen lernen, dass Medienkompetenz nichts Zusätzliches ist, es ist eine Querschnittsaufgabe – mit weit reichenden Konsequenzen, etwa in Hinblick auf die Netzpolitik.“

Mädchen

LAN(ge Nacht-)Party

LAN(ge Nacht-)Party

Kempf und Kohring sind beide auch als USK-Prüfer aktiv, was für die Jugendlichen beim „Spielerat“ stets eine besondere Herausforderung darstellt. Interessant sei dabei fest zu stellen, so Kempf, “dass Jugendliche, die für sich die USK-Altersempfehlung oftmals nicht akzeptieren können, plötzlich strenger als wir urteilen, wenn man sie fragt: Würdest Du das Spiel auch Deiner kleinen Schwester an die Hand geben?“

Spielt denn auch die kleine Schwester? Kohring: „Man muss schon sehen: Unsere Gruppen bestehen zu 95 Prozent aus Jungs, wie auch heute Abend. Wir hatten mal eine Mädchengruppe, die zwei Jahre hielt, aber dann war es auch vorbei. Und ihr Zustandekommen basierte wesentlich aus persönlichen Kontakten. Aber Computerspiel haben da meines Erachtens auch wenig anzubieten, die Frauenfiguren sind einigermaßen schlicht und unattraktiv: Entweder Frauen sind Prinzessinnen oder es sind Männer mit Brüsten.“ Ihn wundert daher die „Geschlechtertrennung“ nicht.

Für das Gruppenfoto am Schluss mussten dann noch einige Schlafsäcke aus dem Weg geräumt werden – ob Markus Sindermann viel Schlaf in dieser Nacht bekommen hat?

Wiedersehen am 26. November im Landtag NRW

Das Team vom ComputerProjekt Köln wird zusammen mit dem Institut Spielraum (FH Köln) Computerspielstationen in der Ausstellung am Tag der Medienkompetenz betreuen. Mit Games an PC und Konsole laden sie zum Ausprobieren und Mitspielen ein und sorgen so für LAN-Party-Atmosphäre im Landtag.

Die Aktion vor Ort in der Presse

Kölnische Rundschau (19.10.2012): Schatteninseln im Test, von Martina Windrath

Mdl Lisa Steinmann zur Aktion vor Ort mit dem Computerprojekt Köln

 Veröffentlicht von

Family business? Familiengeschichten!

 Die Aktionen  Kommentare deaktiviert für Family business? Familiengeschichten!
Okt 112012
 

Von links: Dr. Thomas Hambüchen (Drogenhilfe Köln), Anne Kreft (Drogenhilfe Köln, Fachstelle Suchtprävention) mit netbag, MdL Brigitte Dmoch Schweren, Markus Wirtz (Drogenhilfe Köln, websucht.info), Christine Abke (Drogenhilfe Köln, ESCapade), Frauke Jacobsen (Staatskanzlei NRW), Lars Gräßer und Dr. Harald Gapski (beide Grimme-Institut)

Die Familie hat in der Medienkompetenzförderung eine Renaissance erlebt. Dafür stehen Projekte auf Landesebene, die gezielt mit der Zielgruppe Eltern arbeiten, oder auch Projekte auf Bundesebene, wie das Projekt „ESCapade“. Seit 2010 wendet(e) sich „ESCapade“, das von der Drogenhilfe Köln angeboten wird, an Familien mit Kindern zwischen 13 und 18 Jahren, bei denen die Computernutzung zum Problem geworden ist.

MdL Brigitte Dmoch-Schweren hat sich bei ihrer Aktion vor Ort am 11. Oktober darüber informiert, wie im Rahmen von „ESCapade“ Präventionsarbeit in und mit Familien geleistet wurde (Das Projekt läuft zum Jahresende aus). „ESCapade“ darf aber nicht als „reine Vorbeugungsmaßnahme“ missverstanden werden, eine Intervention erfolgte durchaus, nur eben keine Therapie: Projektziel war bzw. ist die Reduzierung der psychosozialen Folgeerscheinungen des Computernutzungsverhaltens sowie der erlebten Belastung für alle Familienmitglieder. Denn in Familien mit Jugendlichen, die ein problematisches Nutzungsverhalten aufweisen, sind Konflikte an der Tagesordnung. Anne Kreft, Leiterin der Fachstelle konkretisiert: „Das Kind sollte buchstäblich noch nicht in den Brunnen gefallen sein, Abhängigkeitserscheinungen waren eher ein Ausschlusskriterium für die Teilnahme. ESCapade richtete sich an Familien, in denen die exzessive Computernutzung zum Problem geworden ist.“

Diagnosen

Laut JIM-Studie ist der Computer seit 2011 das wichtigste Alltagsmedium von Jugendlichen. Sogwirkung entfalten hier eine Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten – wohl kaum ein Medium ist in der Lage, derart flexibel an die natürlichen Bedürfnisse wie Spaß, Entspannung, Ablenkung, aber auch Erfolg, Anerkennung oder das Gefühl des „Gebraucht-werdens“ anzuknüpfen, je nachdem ob Online-Computerspiele oder soziale Online-Netzwerke im Mittelpunkt stehen. Für die Präventionsarbeit ist der mediale Unterschied jedoch weniger entscheidend: Die Konsequenzen sind ähnlich, ergo verfährt die Intervention im Falle von „ESCapade“ ähnlich. Der mediale Unterschied ist in der Therapie dann bedeutsamer.

Und wann ist Vorsicht geboten? Wenn die Computernutzung – egal zu welchem Zweck – anfängt, kompensatorisch zu werden. Das kann in einem Fall bei zwei Stunden beginnen, in anderen Fällen deutlich mehr sein. Und dann spielt der Leidensdruck eine Rolle – die Diagnose „Abhängigkeitsverhalten“ ist komplex.

MdL Brigitte Dmoch-Schweren (SPD-Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien)

MdL Brigitte Dmoch-Schweren (SPD-Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien)

Schwierigkeiten und Erfolge

Nicht ganz so komplex, in der Praxis aber durchaus schwierig: Komplette Familien waren bei „ESCapade“ angesprochen, wobei eine beachtliche „Durchhaltequote“ von 87,7 Prozent erzielt wurde. 65 Familien mit 85 Jugendlichen und 110 Elternteilen nahmen teil – aus Berlin, Freising, Köln, Lörrach und Schwerin. Das Programm gliederte sich hierbei in vier Module: Clearinggespräch, Erstgespräch mit der Familie, Familienseminartag und drei individuelle Familiengespräche.

Anne Kreft (Drogenhilfe Köln, Fachstelle Suchtprävention)

Anne Kreft (Drogenhilfe Köln, Fachstelle Suchtprävention)

Ergebnis(se): Die Jugendlichen hatten nach der Teilnahme seltener das Gefühl, zu viel bzw. zu lang oder auch gegen ihren Willen online gewesen zu sein; sie waren seltener mit ihren Online-Aktivitäten „offline“ gedanklich beschäftigt bzw. fühlten sich seltener „offline“ schlecht, was insgesamt zu einer Steigerung der Lebensqualität – der Jugendlichen und der Familie – beigetragen hat. Dabei nicht unwichtig: Gerade auch das Problemlöseverhalten hatte aus Sicht der Jugendlichen in vielen Familien profitiert.

„Ein toller Erfolg“, so MdL Brigitte Dmoch-Schweren, den Dr. Thomas Hambüchen, Gesamtleiter der Drogenhilfe Köln e.V., gerne jetzt auf NRW Ebene fortsetzen möchte. Ein Antrag ist bereits gestellt. Dass die Computersucht noch nicht als Krankheit anerkannt wurde, ist dabei kein Problem für ihn bzw. nicht in diesem Falle: „Die Anerkennung hat kaum Auswirkungen auf die Präventionsarbeit, denn diese müssen wir sowieso leisten. Sie reagiert auf ein Problem in Familien. Die Anerkennung ist nur wichtig für die Therapie. Wenn die Probleme in den Familien Überhand nehmen, haben wir allerdings ein Problem; ein Verteilungsproblem. Dann müssen wir entscheiden: Wer macht was?“

Buch und Test

Wiedersehen geplant am 26. November beim Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW

Wiedersehen geplant am 26. November beim Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW

Und wie ist es mit Manfred Spitzer, der in seinem Buch „Digitale Demenz“ immer wieder auf die Sogwirkung des Computers verwiesen hat und ihn am liebsten ganz, in jedem Fall für Jugendliche verbieten möchte? Hilft oder schadet er? „Es ist nur ein Buch. Keiner, den es betrifft, wird es lesen. Seine Medienpräsenz hilft uns lediglich in der Öffentlichkeitsarbeit. Und bei den Kostenträgern setzt es das Thema auf die Agenda,“ so Dr. Hambüchen.

Ins Grübeln gekommen? Denen, die mehr über sich und mögliche Gefährdungsmomente erfahren möchten, sei ein Online-Test empfohlen, den die Drogenhilfe Köln entwickelt hat. Und sicher einen Besuch des Tags der Medienkompetenz im Landtag NRW.

Die Kölnische Rundschau berichtet „Neues Projekt ESCapade zeit Wege aus der Online-Sucht“

 Veröffentlicht von

„Mashup“ als „Misch-Mit!“

 Die Aktionen  Kommentare deaktiviert für „Mashup“ als „Misch-Mit!“
Okt 042012
 
Von links (hinten): MdL Alexander Vogt, Schulleiter Reiner Jorczik, Projektleiter Dr. Harald Gapski, Grimme-Institut, und vorne (von hinten) Frauke Jacobsen, Staatskanzlei NRW

Von links (hinten): MdL Alexander Vogt, Schulleiter Reiner Jorczik, Projektleiter Dr. Harald Gapski, Grimme-Institut, und vorne (von hinten) Frauke Jacobsen, Staatskanzlei NRW

Gerne wird der Einstieg in Medienbildungsprojekte über den Gefahrendiskurs gesucht, gerade wenn es um soziale Online-Netzwerke geht. Dann es geht um Cybermobbing, Urheberrechtsverletzungen, Angriffe auf Persönlichkeitsrechte und anderes mehr. Nicht so beim Projekt „Mashup“, hinter dem sich ein soziales Netzwerk für Medienkunst versteckt, welches sich an Jugendliche richtet und auf deren Medienkompetenz abzielt. Ein Besuch beim Projekt „Mashup“ war die „Aktionen vor Ort“ des medienpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Alexander Vogt (MdL), in der Realschule Crange in Herne am 4. Oktober. Anstatt (nur) um Risiken ging es hier vor allem um die Potenziale sozialer Online-Medien, wenn auch die problematischen Formen jugendlicher Mediennutzung durchaus Gesprächsthema waren.

Zwischen Kunst und E-Partizipation

„Mashup bezieht sich auf den Trend in der Kunstszene, Vorhandenes neu zusammen zu setzen; die Remix-Kultur. Mashup übersetzen wir aber auch als Aufruf zum ‚Misch-Mit’. Wir verstehen das Projekt politisch, als Anleitung zur Partizipation, gerade auch von Bildungsbenachteiligten,“ so Winfried Paetzel vom Bochumer Medien- und Kunstverein Ponte Courage, der 2003 gegründet wurde und seit einiger Zeit Kunst- und Medienaktionen mit Schülerinnen und Schülern im Ruhrgebiet durchführt. „Seit vier Jahren machen wir Medienkunst, arbeiten mit Fotos, Film usw., seit 2010 fokussieren wir uns auf Social Media“, so Paetzel weiter. „Dabei arbeiten wir an der Schnittstelle zweier Kulturen. Im Prinzip geht es um die Etablierung einer Jugendkunstschule im Internet.“ „Mashup“ läuft jetzt seit vier Wochen und ist aus den vorausgehenden Projekten „ex.quis.net“ und „Turbulente Ränder“ hervor gegangen. „Ex.quis.net“  führte Schüler(innen) der Realschule Crange in Techniken der Video-Collage ein. Mit „Turbulente Ränder“ produzierten Schüler(innen) der Erich-Kästner-Schule Bochum, der Melanchthon-Schule Herne und der Realschule Crange bereits Video-Clips zum Thema „Identität“. Zugleich wurden erste Erfahrungen mit einem Video-Portal gemacht.

Aktuell beschäftigten sich die Realschüler mit dem Thema „(Internet-)Identität“ und produzieren Fotos, Interviews und Videoclips zum Thema. Dabei tauschen sie sich über technische und künstlerische Fragen aus, sammeln so wichtige Erfahrungen mit ihrer eigenen „(Internet-)Identität“. Die Sicherheit und Privatsphäre auf der Mashup-Seite gewährleisten hierbei Arbeiterkind.de, eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft, und die Stiftung OpenNetworX, die Ponte Courage und das „Mashup-Projekt“ in ihren Seiten-Verbund aufgenommen haben.

Identität im Netz

Identität im Netz

„Projekte wie diese sind schön und gut, aber eigentlich muss ein eigenes Fach für Medien her“

Während Schulleiter Reiner Jorczik bei der „Aktionen vor Ort“ das Kulturprofil der Realschule Crange unterstrich – man engagiert sich beispielsweise am Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“ – und sich für ein Fach Medienkunde einsetzte, verdeutlichte Uwe Hirschmann, der projektbegleitender Kunstlehrer: „Das Projekt ist ein Beispiel dafür, dass sich Schule öffnet“.

„Bei mir persönlich laufen Sie da offene Türen ein“, so MdL Vogt zum Plädoyer für eine Fach Medienkunde. Er verwies zudem auf die Aktivitäten der Landesregierung in Sachen Medienkompetenzförderung; den Medienpass NRW, der jetzt für weiterführende Schulen weiter entwickelt wird. Für besonders wichtig beim Tag der Medienkompetenz, der am 26 November im Landtag NRW stattfindet, erachtet er: „Eine Veranstaltung wie diese soll alle Landtagsabgeordneten erreichen und mit dem Thema Medienkompetenz konfrontieren.“

MdL Alexander Vogt im Kreis der Schülerinnen und Schüler der Realschule Herne-Crange

MdL Alexander Vogt im Kreis der Schülerinnen und Schüler der Realschule Herne-Crange

Und die Schülerinnen und Schüler aus Herne? Haben Spaß an der Medienarbeit. Sie freuen sich: „Ist immer wieder was anderes, anders als der sonstige Unterricht.“ Und Karin Hielscher, Referentin Medienkompetenz bei Ponte Courage: „Schüler sollen sich ‚selbständig’ machen, sollen lernen: Wo bekomme ich die Bilder her, wo die Musik?“ Dabei biete das Projekt einen geschützen Raum; einen Lernraum. Und schauen Sie jetzt anders TV? „Ja klar“, Szenenschnitte oder der Einsatz von Musik werden jetzt anders wahrgenommen.

Und wie geht es weiter? In den nächsten Jahren wird das Soziale Netzwerk weiter wachsen und aktiv ausgebaut – jedes Jahr werden mehrere neue Schulen in das Netzwerk eingeführt und die etablierten Schulen darin begleitet, ihre Präsenz selbstständig zu gestalten. „Mashup“ soll sich zu einem dynamischen Bestandteil der Jugendkultur im Ruhrgebiet entwickeln. Als Aktionen sind für die Zukunft weitere regionale Projekte zu E-Partizipation und Medienkunst für Schüler(innen) geplant. Innerhalb des Netzwerkes sollen beispielsweise Schnittstellen zu Medienberufen hergestellt werden. Aber vorerst sieht man sich beim Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW!

 

 

 

 

 Veröffentlicht von