Dez 072012
 

„Hilfe, mein Kind hat Facebook!“, lautet der Titel eines der Medienkompetenzworkshops, die das Jugendinformations- und -bildungszentrum (Jib) Münster für Eltern anbietet. So oder so ähnlich könnte es aber auch am Telefon des Jibs klingen, wenn Eltern aus Münster Hilfe suchen, weil ihr Kind im Netz gemobbt wird, zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt oder im Netz auf ungeeignete Inhalte stößt. Alli van Dornick und Kerstin Brandner wissen, welche Experten den Eltern in der Region helfen können, denn bei ihnen im Jugendinformations- und -bildungszentrum laufen die Fäden des medienpädagogischen Netzwerks „AG Medien“ zusammen. Die Arbeitsgemeinschaft Medien versteht sich einerseits als Koordinationsstelle, die Service für Münsteraner Bürger anbietet und andererseits als Kooperationsstelle für alle die, die diejenigen, die in der Region an dem übergreifenden Thema „problematischer Medienkonsum“ arbeiten. Mehrmals im Jahr treffen sich die Mitglieder, um sich über ihre Arbeit auszutauschen. So auch am 7. Dezember, diesmal mit Besuch aus dem Landtag Nordrhein-Westfalen.

MdL Prof. Thomas Sternberg (CDU) im Interview mit Center TV Münster.

MdL Prof. Thomas Sternberg, kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, hatte im Rahmen seiner Aktion vor Ort die Gelegenheit, die Spezialisten kennen zu lernen, die der Münsteraner Bevölkerung Angebote zu Themen wie Cybermobbing, Computerspielsucht oder sexualisierte Gewalt im Internet machen. Die Runde war dementsprechend groß: Von Ralf Bolhaar, Sozialarbeiter bei der Aids-Hilfe in Münster über Uwe Schnaubelt aus dem Kriminalkommissariat der Polizei Münster bis zu Dr. Stephanie Pieschl, die als Psychologin an der Westfälische-Wilhelms-Universität zur Wirkung gewalthaltiger Medien forscht, stellten sich die Mitglieder der AG Medien vor.

So unterschiedlich ihre Handlungsfelder, das Verständnis von Medienkompetenz ist ihnen gemein: Während Ende der 90er Jahre vor allem Technikkompetenz gegangen sei, also darum, Jugendliche an Medien heran zu führen, sagte Michael Geringhoff (Leiter des Jib), sei heute die Frage, wie problematisches Mediennutzungsverhalten verhindert oder ihm begegnetet werden kann. Diese Veränderung des Medienkompetenzbegriffs sieht auch Prof. Sternberg: „Früher war die Frage ‚Wie bediene ich Medien?‘, heute fragt man, ‚Wie gehe ich damit um?‘“ Das Problem, wenn es um die Vermittlung von Medienkompetenz in der Familie geht, sei aber: „Man steht da als Elternteil und möchte etwas Aufklärendes sagen, aber man erntet nur ein müdes Lächeln. Was tut man da?“ In Sachen Medien, sei es zu einer Umkehrung des Wissens gekommen, erklärte daraufhin Ralf Bolhaar: „Die Jugendlichen wissen einfach mehr als ihre Eltern. Da ist eine Begleitung nicht mehr unbedingt möglich.“ Dennoch ergänzte Stephanie Pieschl: Während die Jüngeren den Expertenstatus in Sachen Technik hätten, liege bei Eltern die Kompetenz bei der Medienkritik. Ziel müsse es trotz aller Probleme sein, Medien nicht zu dämonisieren, machte Prof. Sternberg deutlich.

Michael Gerinhoff (Leiter des Jugendinformations- und -bildungszentrums Münster und MdL Prof. Sternberg (CDU).

Im Gespräch mit den Expert(inn)en wurde klar, dass Medienkompetenz als Querschnittsaufgabe zu betrachten ist. Der Forderung nach einem Fach „Medienkompetenz“ erteilte Sternberg daher eine Absage. Genauso gehe es in einer Zeit jugendlicher Medienvollversorgung nicht darum, Schulen technisch auszustatten. Vielmehr sollten Medienfragen in bestehende Fächer integriert werden, lautete Sternbergs Vorschlag. Ralf Bolhaar sieht hier in der Sexualpädagogik ein Vorbild, denn diese fände nicht nur im Biologieunterricht statt, sondern werde auch in Soziologie oder Politik thematisiert. Der gemeinsame Wunsch der gesamten AG Medien: Medienerziehung sollte in Elternhaus und Schule so selbstverständlich sein wie Verkehrserziehung.

Zum Abschluss des Gesprächs wünschte sich Prof Sternberg von den Mitgliedern der AG Medien, Probleme aus ihrer medienpädagogischen Praxis regelmäßig an die Politik zu melden. Ebenso sprach Michael Geringhoff, die Einladung an den Abgeordneten aus, bei weiteren Treffen der AG Medien vorbei zu schauen.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Angeboten der AG Medien sowie Steckbriefe ihrer Mitglieder gibt es auf den Seiten des Jugendinformations- und -bildungszentrums Münster.

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  Eine Antwort zu “Hilfe, mein Kind hat Facebook!”

  1. Ich sehe die Entwicklung neuer Medien als nötig und fortschrittlich an. Dennoch muss den Kindern der richtige Umgang mit den Medien gezeigt werden, denn es lauern sehr viele Gefahren im Internet. Dadurch muss sich auch der Schulstoff anpassen. So ist es z.B. wichtig bei der Sexualaufklärung auch über Pornographie aufzuklären, denn an diese gelangen die Kinder sehr schnell. Es ist natürlich nicht alles schlecht, was das Internet mit sich bringt. […] [Bitte keine Werbung, CB].

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