Nov 262012
 

v.l.n.r.: Moderatorin Dagmar Hoffmann und die Expertinnen Dr. Paula Bleckmann und Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke

Von Laura Rentmeister
Als Impulsgeberinnen standen Frau Dr. Paula Bleckmann und Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke bereit.

Frau Bleckmann arbeitet unter anderem an dem Forschungsprojekt „Computerspiele und Internetabhängigkeit in Deutschland“ mit und ist der festen Überzeugung, dass Kinder vor Medien geschützt werden müssen. Die gelingende Lösung für Erziehung ist für sie eine begleitende und unterstützende Funktion des Erziehers, damit sich die Kinder zu gemeinschaftsfähigen und selbstständigen Individuen entwickeln können.

Die Fähigkeit mit Medien bewusst umgehen zu können ist für Frau Bleckmann keine Medienkompetenz, sondern Medienmündigkeit: „Medienmündigkeit ist die Fähigkeit zum Ausschalten“, so Bleckmann. Um medienmündig zu werden, sei es die Aufgabe eines jeden, Mediensucht zu vermeiden. „ Fünfzehnjährige konsumieren sieben Stunden täglich Medien und das nur in ihrer Freizeit“, führt Bleckmann ein erschreckendes Beispiel an und ergänzt: „ Ein bis drei Prozent aller fünfzehnjährigen Jungen sind suchtabhängig.“ Bei den Mädchen liege der Schwerpunkt nicht auf Computerspielen, sondern Mädchen nutzten das Internet für social networks wie facebook. „ Schon vor der Sucht ist zu starker Medienkonsum für die körperliche, seelische und geistige Entwicklung schädlich.“ Um ihre Thesen zu bestärken, verdeutlichte Frau Bleckmann an alltäglichen Gegenständen, wie sich der Medienkonsum gewandelt habe. Heute gebe es für jede Fähigkeit eine CD-ROM. Zum Beispiel solle die Bewegungskompetenz heutzutage durch „Wii-Fit“ gestärkt werden. Früher taten es Wanderschuhe oder spiele wie „Hüpfe-Kästchen“.

Abschließend erklärt die Medienpädagogin, dass ein dosierter Einsatz von Medien und die Medienprävention der Schlüssel zum Erfolg sind.

Frau Marci-Boehncke ist Professorin an der TU Dortmund und vertrat die Gegenposition zu Frau Bleckmann. Ihre Rede begann mit einer historischen Erklärung. Sie  bezog sich auf Platon, der der erste Medienkritiker gewesen sei. Platon beharrte auf der Tatsache, dass Weisheit nur per Vortrag vermittelbar sei und wehrte sich gegen die Verschriftlichung.

„Der Mensch ist ein mediales Wesen“, erklärte Frau Marci-Boehncke. Biologisch betrachtet habe das Gehirn sogar einen eigenen Medienbereich. „In Deutschland besitzt jeder Haushalt flächendeckend Fernseher und  Computer, unabhängig vom sozialen Milieu“, so Marci-Boehncke weiter. 30 Prozent der Vierjährigen seien mit PC und Internet vertraut.

„Durch Medien wird man nicht dumm oder dick. Durch Kühlschränke wird man ja auch nicht dick“, erklärte die Professorin an alltäglichen Beispielen. Um gekonnt mit Medien umgehen zu können, müsse man mit „guten und schlechten Computerspielen umgehen können, aber auch mit guten und schlechten Büchern.“

„Die Frage nach dem wie und nicht nach dem ob der Medienbildung“, stellte Frau Marci-Boehncke in ihrem Fazit.

Zwei Positionen, die konträrer fast nicht sein könnten. Beide Pädagoginnen schätzten die andere Position. Für die Zuhörenden gab es viele Denkanstöße und Vorschläge, wie der Umgang mit Medien im Alltag leichter werden könnte.

 

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