Nov 262012
 

von Natalie Dayekh

Dr. Stephan Eisel, Foto: G. Jorczyk / Grimme-Institut

Dr. Stephan Eisel, Foto: G. Jorczyk / Grimme-Institut

Wie kann man über das Internet politisch teilhaben? Welche Rolle spielt „teilhaben“ in Zeiten des Internets? In dieser Debatte konnten die Zuhörer bei der Diskussion zwischen Dr. Stephan Eisel und Jürgen Ertelt mitreden.

Dr. Stephan Eisel, Projektbeauftragter der Konrad-Adenauer Stiftung für „Internet und Demokratie“, und Jürgen Ertelt, Medienpädagoge und Koordinator des Projekts „youthpart“, einer Initiative von Dialog Internet in Trägerschaft des IJAB, der Fachstelle für internationale Jugendarbeit e.V., diskutierten diese und andere Fragen. Zunächst stellten beide ihre Position zum Thema „teilhaben“ durch das Internet dar. Dr. Stephan Eisel, der die Chancen der Beteiligung durch das Internet eher „nüchtern“ betrachtete, führte innerhalb von zehn Minuten zwölf Thesen an, die er zur diesem Thema erstellt hatte.

Dr. Stephan Eisel sieht das Internet als zusätzliches Forum und nicht als ein ersetzendes. Medienkompetenz bedeute schließlich, die Möglichkeiten im positiven und negativen Sinne zu betrachten. Es sei ein Mythos, dass das Web 2.0 Probleme lösen würde, da es keine Einschränkungen in zeitlicher und räumlicher Art mitbringe. Er wies darauf hin, dass neue Einschränkungen entstehen, z. B. bei der Möglichkeit das Internet zu nutzten: Rund 75 Prozent der Menschen in Deutschland haben einen Internetanschluss. Der Rest hat aus verschiedensten Gründen keinen. Selbst bei den 75 Prozent bestehe die Frage,  wer das Internet auch regelmäßig nutzt und nutzen kann. Dadurch ergibt sich eine digitale Spaltung. Zum Einen gebe es jene, die durch Bildschirmarbeit mit dem Aktivitätsmedium, wie Dr. Stephan Eisel das Internet bezeichnet, privilegiert werden. Zum Anderen diejenigen, die beruflich von diesem Medium ausgeschlossen würden.  Ein Zuschauer stellte Dr. Eisels These in Frage, dass Menschen, die vor dem Bildschirm arbeiten, privilegiert gegenüber den anderen seien, schließlich gebe es Smartphones. Dr. Eisel erwiderte, dass das Smartphone im Arbeitsalltag aber nicht für jeden einsetzbar sei.

Jürgen Ertelt, Foto: G. Jorczyk / Grimme-Institut

Jürgen Ertelt, Foto: G. Jorczyk / Grimme-Institut

Dr. Eisel verneinte ebenfalls, dass das Internet neues politisches Interesse wecke, wenn vorher keines vorhanden war. Die Bürgerbeteiligung nehme dadurch nicht zu. Auch vor Zeiten des Internets gab es Möglichkeiten der Bürgerinitiative, etwa durch Leserbriefe, Diskussionen und politische Gemeinschaften.  Und auch bei dem Stichwort Transparenz gebe es erhebliche Lücken. Schließlich würden zwar Daten wie etwa der Kommunalhaushalt sichtbar gemacht, jedoch sei es fraglich, inwiefern diese Daten objektiv seien und „verarbeitbar“ seien oder ob die Datenfülle der „Verarbeitung“ nicht vielleicht entegegen stehe.  Ein weiter relevanter Punkt sei das reflektierte Urteilsvermögen beim gewichten von Informationen, auf die man im Internet trifft. Bezüglich der demokratischen Förderung durch das Internet sei die Anonymität im Internet ein weiteres Problem. Durch die Möglichkeit der Anonymität könne man viele Menschen nicht mehr mit ihrer Meinung konfrontieren und in gewissem Maße gehe das Gefühl für Verantwortung verloren.

Jürgen Ertelt vertrat eine andere Sicht. Er bezog sich bei seinen Ausführungen mehr auf die Jugendlichen. „Wir sind erst am Anfang der Auseinandersetzung“ sagte er. Erst jetzt setze man sich damit auseinander, wie medienkompetent das Internet sei und wie die Beteiligung dadurch entstehe.

Er stellte die Frage, wie es realisierbar sei, dass man den „Gefällt-mir“-Button ins reale Leben holen könne. Durch das Internet sieht er eine große Möglichkeit für einen neuen Diskussionsraum und führte den Begriff „Liquid-Democracy“ an.  Seiner Meinung nach entstehen keine Grenzen. Durch E-Partizipation könne man Benachteiligung ausgleichen. Des Weiteren bemerke er eine Veränderung der Kommunikation, die positiv einzusetzen ist. Als Beispiel dafür sieht er die Möglichkeit, Fotos oder Videos als Kommunikationsmittel zu nutzen. Durch das Internet könnten Jugendliche in politischen Sachverhalten wahrgenommen werden und hätten die Möglichkeit, inhaltlich „mitzumischen“. Natürlich sei ihm bewusst, dass eine Kultur der Beteiligung entwickelt werden müsse und nicht durch das Internet entstehe. Jedoch bietet das Internet, seiner Meinung nach, viele neue Möglichkeiten, mit denen man sich konkret auseinandersetzen müsse.

Es wurden weitere Fragen aus dem Publikum gestellt, wie etwa zur Reflexion und zum Urteilsvermögen im Internet, Transparenz und die Förderung der demokratischen Gesellschaft durch das Internet.

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