Nov 262012
 

Von Valentin Dornis

Wer im Netzt surft, gibt im Zweifel viel von sich Preis. Was Datenschutz leisten kann und muss und wo die Grenzen staatlicher Regelungen gesteckt werden sollten, diskutierten die Teilnehmer der Debatte „Vertrauen – Datenschutz und Privatsphäre in der digitalen Welt“. Als Experten beteiligten sich der Blogger Michael Seemann und Ulrich Lepper, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW.

Dass Objektivität bei diesem Thema äußerst schwierig ist, wurde schnell klar. Menschen mit verschiedenen Hintergründen und aus unterschiedlichen Generationen haben teilweise stark auseinandergehende Definitionen von Privatsphäre – während Michael Seemann Unternehmen versteht, die aus wirtschaftlichen Gründen Daten sammeln und verknüpfen, sträubt sich bei Ulrich Lepper alles gegen diese Sammelwut. Besonders deutlich zeigten sich diese Unterschiede an den Meinungen zum sozialen Netzwerk Facebook: Wer diesen kostenlosen Dienst nutzen will, der muss halt auf andere Weise „bezahlen“, nämlich mit seinen Daten, ist Seemann überzeugt; Lepper dagegen prangerte in einer emotionalen Rede diesen „faulen Handel“ an. Diesen Beitrag quittierte das Plenum mit Applaus, die Teilnehmer schienen mehrheitlich ähnlicher Meinung zu sein.

Kein Wunder, ist doch ein Großteil von ihnen persönlich betroffen: Auf die Nachfrage der Moderatorin, wer der Anwesenden denn einen Facebook-Account habe, heben über zwei Drittel die Hand. Ulrich Leppers Forderung nach strengeren Regeln für den Datenschutz finden also Zustimmung, auch wenn eine gewisse Skepsis bleibt. Denn es sei ja schön und gut, so eine Teilnehmerin, wenn in Deutschland die Vorschriften verschärft würden – das Internet sei aber nun einmal international. „Glauben Sie, dass es irgendwann weltweite Richtlinien zum Datenschutz geben wird?“, richtete sie ihre Frage an den Landesbeauftragten Lepper. Der wollte sich nicht festlegen, merkte jedoch an: „Aktuell gibt es in der EU-Verhandlungen über ein Reformpaket zu diesem Thema. So könnten die Regelungen europaweit angeglichen werden.“ Das hätte dann vor allem auch eine Signalwirkung nach außen, so der Experte.

Eine Vorstellung, mit der sich Seemann nicht so recht anfreunden kann: „Lieber habe ich meine Daten bei einer Firma, die mir schlimmstenfalls Werbung zumutet, als beim Staat. Denn der kann mich im Extremfall schließlich sogar ins Gefängnis stecken.“

So verschieden die Positionen der beiden Experten waren, so sehr herrschte in einem Punkt Konsens: Bis zu einem gewissen Grad ist der Nutzer selbst verantwortlich für die Daten, die er ins Netz stellt, und hat damit Vorsicht walten zu lassen. Oder, wie Seemann es mit einem Zitat ausdrückte: „Wer schweigt, der kann immer noch reden. Wer schon geredet hat, wird darüber nie im Nachhinein schweigen können.“

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