Nov 162012
 

Die Möglichkeiten der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe sind durch das Internet größer geworden. Jürgen Ertelt weist diesbezüglich darauf hin, das „neue kommunikative Optionen“ durchaus „Verstärker für politische Veränderungen werden können.“ Deshalb richtet sich sein Interesse insbesondere auf „Fragen einer konstruktiven Übersetzung der Chancen vernetzter Kommunikation“ in politisches Handeln. Allerdings kann „Teilhabe“ niemals von der Machtfrage losgelöst betrachtet werden, weil Partizipation in der repräsentativen Demokratie immer den politischen Willen voraussetzt, diese zuzulassen.

„Wir brauchen einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für Verfahren der (online-) Bürgerbeteiligung. (…) Ohne leicht zugängliche  Informationsgrundlagen und geöffnete Prozesse in Verwaltungen wird ePartizipation wenig vorankommen. Immer braucht es einen politischen Willen zur Partizipation, eine erfüllbare Wirkung und einen verhandelbaren Grund für die Meinungsfindungs- und Entscheidungsabläufe. Die Verteilung von Placebos bei unumgänglicher Faktenlage und rechtlicher Eindeutigkeit ist einer wachsenden Beteiligungskultur nicht förderlich; negatives Beispiel sind hier Bürgerhaushalte, die nur Streichlisten bereithalten.“

Zugleich wächst aber auch die Skepsis, ob über die Vermittlung einer digitalen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur tatsächlich eine gesteigerte Beteiligung möglich ist. Dem stehen nach Dr. Stephan Eisel nicht nur „Manipulationsgefahren, die sich beispielsweise aus der Anonymität und dem Hang zu fragmentierten Echogesellschaften ergeben“, entgegen, sondern auch eine geringe digital literacy in der Bevölkerung. Teilhabe sei aber sehr voraussetzungsreich. Ein rationaler Dialog sei nur möglich, wenn eine solide Allgemeinbildung und die Bereitschaft zum Zuhören vorhanden ist.

„Am wichtigsten ist die Verständigung auf einen rationalen Dialog. Kaum etwas polarisiert auch emotional so wie Debatten über das Internet. Wer auf Probleme des Internets hinweist, wird schnell als Ewiggestriger abgestempelt. Wer sich viel im Netz bewegt, gerät schnell in den Verdacht den Kontakt zum wirklichen Leben verloren zu haben. Solche Klischees führen nicht weiter, notwendig ist die Bereitschaft Aller sich ohne solche Vorurteile auf den Austausch von Argument und Gegenargument einzulassen.“

Die kompletten Positionspapiere der beiden Experten sind nun online nachzulesen. Sie bilden die Grundlage für die Debatte zum Thema „teilhaben“ am Nachmittag des Tags der Medienkompetenz im Landtag Nordrhein-Westfalen.

•    Zum Positionspapier von Jürgen Ertelt
•    Zum Positionspapier von Dr. Stephan Eisel

Die Experten und das Team des Tags der Medienkompetenz freuen sich schon jetzt auf Kommentare und Diskussionsbeiträge: hier im Blog oder über Facebook und Twitter.

Kommentare sind derzeit nicht möglich.