Nov 092012
 

 

v.l.n.r: Friedrich Hagedorn (Grimme-Institut), Detlef Klee (Schulleiter), Lothar Hegemann (MdL, CDU), Michael Rembiak (Lehrer und Referent)

„Viereck drücken heißt kontern“. Mit mäßigem Geschick versucht ein Vater die richtigen Knöpfe auf der Spielekonsole der PS 3 zu bedienen, um Connor, die Hauptfigur im Action-Adventure-Spiel „Assassin’s Creed“, halbwegs erfolgreich durch simulierte Szenarien des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zu navigieren. Neben ihm steht ein 17-jähriger Schüler, der – teilweise schmunzelnd, aber doch auch recht stolz – Anweisungen gibt und Erklärungen zum Spiel liefert. Erklärungen für eine Gruppe von Eltern, die interessiert zuhören, zusehen und zuweilen auch selber Hand anlegen – viele von ihnen offenbar zum ersten Mal.

Das persönliche Ausprobieren und das Gespräch mit Schülern, die gleichzeitig passionierte Gamer sind, aber auch als „Medienscouts“ andere Schüler beraten, ist Konzept dieses abendlichen Elternworkshops mit dem Titel „Immer nur ballern, bomben und töten!? Computerspiele im Fokus“. Rund 50 Eltern sind der Einladung ins Gymnasium Petrinum in Recklinghausen gefolgt, als besonderer Gast auch der Recklinghäuser Landtagsabgeordnete Lothar Hegemann (CDU).

Doch nicht nur ums Ausprobieren und praktische Kennenlernen von Computerspielen geht es an diesem Abend, denn in einem weiteren Parcours werden Chancen und Risiken von Computerspielen thematisiert – ob Faszination, Suchtgefahr, Gewaltpotenziale oder Jugendschutzbestimmungen. Und auch hier ist es nicht ein professioneller Experte, der seine Erkenntnisse zum Besten gibt, sondern es sind abermals die Schüler-Medienscouts, die sich intensiv mit der Thematik befasst haben und entlang anschaulich präparierter Stellwände teilweise erstaunlich profunde Auskunft geben können. So entwickeln sich an den einzelnen Stationen intensive, spannende Diskussionen. Etwa zur Frage, wie viel Zeit Eltern ihren Kindern für das „Gaming“ einräumen sollten, oder woran man erkennt, ob bestimmte Spiele auch Gewalt fördernde Risiken mit sich bringen können.

MdL Lothar Hegemann (CDU)

Auf die Frage, ob nicht so genannte „Killer-Spiele“ bzw. „Ego-Shooter“ durch den Gesetzgeber verboten werden sollten, antwortet Lothar Hegemann, dass es keinen Zweck habe, etwas zu verbieten, was gar nicht durchsetzbar sei. Er plädiert für mehr Medienkompetenz, macht aber auch darauf aufmerksam, dass gerade die Eltern und Jugendlichen dafür kaum zu erreichen seien, die am ehesten von bestimmten Gefährdungen betroffen wären.

Das Gymnasium Petrinum versucht, bereits von Anfang an in einem sehr breit angelegten und modularen Medienbildungskonzept Schülerinnen und Schülern umfassende Medienkompetenzen zu vermitteln. Wichtig dabei: Die aktive Rolle der Schüler und die Einbeziehung der Eltern in ein „Netzwerk Medienbildung“. Denn nur durch Interesse, Aufgeschlossenheit und auch aktives Ausprobieren, so das überzeugende Abschluss-Credo des zuständigen Lehrers und Medienpädagogen Michael Rembiak, werde es gelingen, mit seinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Computerspiele als „Bestandteil der modernen Lebenswelt“ zu begreifen, um Risiken rechtzeitig zu erkennen, aber auch deren konstruktive Potenziale zu nutzen.

Bericht: Friedrich Hagedorn (Grimme-Institut)

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