Nov 022012
 

Clemens Mirwald / pixelio.de

Eine junge Frau hüpft fröhlich und unbeschwert durch städtische Grünanlagen, trifft auf eine blutverschmierte Leiche und schreit entsetzt auf: „Kunstblut!“. Die nächsten zwei Minuten sind eine wilde Abfolge von stereotypen Einstellungen, emotionalen Ausbrüchen und sozialkritischen Einschüben, die jeder Kenner des öffentlich-rechtlichen Tatorts nur mit Schmunzeln quittieren kann, weil er sie so oder so ähnlich aus dem Fernsehen kennt. Weil es so schön ist, wird die Folge „Der typische Tatort in 123 Sekunden“ im Kino des Landtages am 26. November zu sehen sein.

Der Mann, der sich diese Szenen ausgedacht hat, heißt Philipp Walulis. Walulis konzipiert und moderiert die gleichnamige Sendung „Walulis sieht fern“ frei nach dem Motto: „Fernsehen macht blöd – aber auch unglaublich viel Spaß!“ Für seine Radio- und Fernsehformate wurde er u. a. 2006 mit dem Bayerischen Hörfunkpreis in der Kategorie „Unterhaltung/Comedy“ und 2009 mit dem Fernseh-Anerkennungspreis der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien ausgezeichnet. 2012 folgte der Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ für „Walulis sieht fern“.

„Walulis sieht fern“ ist eine mehrteilige, 30-minütige Comedysendung, die die gängigen Fernsehformate der privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wie etwa Doku-Soaps oder Scripted Reality aufs Korn nimmt und dabei Hintergründe und Funktionsweise von Fernsehsendungen zeigt. Was in medienpädagogischen Veröffentlichungen regelmäßig viele Seiten Raum einnimmt, gelingt der Sendung „Walulis sieht fern“ in wenigen Minuten: Ein Verständnis für das Konstruktionsprinzip von Gerichtsshows, Castingsshows oder Reality-Formaten zu wecken und die Funktionsprinzipien auf unterhaltsame und satirische Weise offen zu legen. Die Darstellerinnen und Darsteller erklären nämlich während ihres Spiels den Zweck der jeweiligen Einstellungen, warum sie dies tun oder jenes sagen müssen und entlarven damit die Dramaturgie der klassischen Fernsehformate, ohne dabei in einen Aufklärungsgestus oder Zynismus zu verfallen.

In der Begründung der Grimme-Preis-Jury heißt es folgerichtig: „Philipp Walulis und seine Mitstreiter beobachten so präzise, dass ihre Form der Satire als wertvoller Beitrag zu Medienkritik und Medienpädagogik durchgehen kann.“

„Walulis sieht fern“ ist eine Produktion des Aus- und Fortbildungskanals afk tv und läuft jeden zweiten Mittwoch um 20:15 Uhr auf EinsPlus, einem Kanal der ARD. Die Highlights der Sendung sind auch im Youtube-Kanal der Sendung zu sehen.

 

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