Okt 222012
 

Von links: Tobias Kempf (Computerprojekt Köln), Lisa Steinmann (MdL), Markus Sindermann und Torben Kohring (beide Spieleratgber NRW / Computerprojekt Köln), Lars Gräßer und Dr. Harald Gapski (beide Grimme-Institut)

Teilnehmen und beobachten, Computerspiele spielen und reflektieren schließt sich aus? Es schließt sich nicht aus! Denn darum geht es beim Spieleratgeber NRW. Jugendliche testen hier Spiele und versuchen sie – unter Anleitung – pädagogisch einzuordnen, damit Kaufentscheidungen altersgerecht(er) ausfallen und pot. Käufern auch Inhaltliches an die Hand gegeben wird. Für viele dient der Spieleratgeber NRW daher als Ergänzung zu den gängigen USK-Kennzeichnungen von Computerspielen – ohne sie überflüssig machen zu wollen oder zu können. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist in Deutschland die verantwortliche Stelle für die Altersfreigabe von Computerspielen. Herausgeber bzw. Projektträger des Spieleratgebers NRW ist der ComputerProjekt Köln e.V., der es sich seit 2004 mit dem Ratgeber und weiteren Projekten zur Aufgabe gemacht hat, den kritischen Umgang mit neuen Medien zu fördern und die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bundesweit zu stärken.

Im Rahmen der „Aktionen vor Ort“ des „Tags der Medienkompetenz“ (26. November 2012, Düsseldorf) informierte sich Lisa Steinmann (MdL, SPD-Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien) über den Spieleratgeber NRW und andere Ansätze für die Medienkompetenzförderung vor Ort (und darüber hinaus) am Rande einer LAN-Party im Bürgerzentrum Köln-Deutz. Markus Sindermann, vom Computerprojekt Köln, der u.a. die Jugendgruppe im Rahmen des Projekts Spieleratgeber NRW betreut, ordnet ein: „Eine LAN-Party machen wir ein- zweimal im Jahr, sie ist nicht das Normalprogramm“ und diene eher dem Zusammenhalt der Gruppe. „Ich habe auch einen Poker-Koffer dabei, vielleicht schauen wir auch noch einen Film.“

Lisa Steinmann (MdL)

Lisa Steinmann (MdL)

Querschnittsaufgabe

Während es bei den sonstigen Treffen um die konkrete Spielbewertung geht, stand bei der „Aktion vor Ort“ am 12. Oktober das zweckfreie Spielen und das Zusammensein im Vordergrund, weshalb sich sechs Jugendliche im Bürgerzentrum Köln-Deutz eingefunden hatten. „League of Legends oder auch Minecraft ist momentan ganz weit vorn“, berichtete Torben Kohring, Projektleiter des Spieleratgeber NRW und ebenfalls Mitglied des ComputerProjekt Köln e.V., dessen ebenfalls anwesender Vereinsvorsitzender Tobias Kempf ergänzt: „Mal schauen, heute ist alles möglich, der Abend fängt ja erst an.“

Kohring und Kempf ist wichtig, Jugendliche zusammen zu bringen; Heranwachsenden die „Spielräume“ zu bieten, die sie anderswo nicht (mehr) finden, zumal „Spielen am Computer zwar an sich sozial ist, viel Kommunikation bedeutet, aber nicht zwingend physische Nähe voraussetzt“, so Kohring. „Wir wollen Ansätze entwickeln, die über den Präventionsgedanken hinaus gehen“, es geht um Medienkompetenz als eine Art Lebenskompetenz, ein kulturelles Vermögen zur Teilhabe. So auch Lisa Steinmann (MdL): „Wir müssen begreifen lernen, dass Medienkompetenz nichts Zusätzliches ist, es ist eine Querschnittsaufgabe – mit weit reichenden Konsequenzen, etwa in Hinblick auf die Netzpolitik.“

Mädchen

LAN(ge Nacht-)Party

LAN(ge Nacht-)Party

Kempf und Kohring sind beide auch als USK-Prüfer aktiv, was für die Jugendlichen beim „Spielerat“ stets eine besondere Herausforderung darstellt. Interessant sei dabei fest zu stellen, so Kempf, “dass Jugendliche, die für sich die USK-Altersempfehlung oftmals nicht akzeptieren können, plötzlich strenger als wir urteilen, wenn man sie fragt: Würdest Du das Spiel auch Deiner kleinen Schwester an die Hand geben?“

Spielt denn auch die kleine Schwester? Kohring: „Man muss schon sehen: Unsere Gruppen bestehen zu 95 Prozent aus Jungs, wie auch heute Abend. Wir hatten mal eine Mädchengruppe, die zwei Jahre hielt, aber dann war es auch vorbei. Und ihr Zustandekommen basierte wesentlich aus persönlichen Kontakten. Aber Computerspiel haben da meines Erachtens auch wenig anzubieten, die Frauenfiguren sind einigermaßen schlicht und unattraktiv: Entweder Frauen sind Prinzessinnen oder es sind Männer mit Brüsten.“ Ihn wundert daher die „Geschlechtertrennung“ nicht.

Für das Gruppenfoto am Schluss mussten dann noch einige Schlafsäcke aus dem Weg geräumt werden – ob Markus Sindermann viel Schlaf in dieser Nacht bekommen hat?

Wiedersehen am 26. November im Landtag NRW

Das Team vom ComputerProjekt Köln wird zusammen mit dem Institut Spielraum (FH Köln) Computerspielstationen in der Ausstellung am Tag der Medienkompetenz betreuen. Mit Games an PC und Konsole laden sie zum Ausprobieren und Mitspielen ein und sorgen so für LAN-Party-Atmosphäre im Landtag.

Die Aktion vor Ort in der Presse

Kölnische Rundschau (19.10.2012): Schatteninseln im Test, von Martina Windrath

Mdl Lisa Steinmann zur Aktion vor Ort mit dem Computerprojekt Köln

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  Eine Antwort zu “Die wollen nur spielen!”

  1. […] Weitere Berichte finden Sie hier: In der Kölner Rundschau und auf der Seite des Tags der Medienkompetenz […]

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