Okt 042012
 
Von links (hinten): MdL Alexander Vogt, Schulleiter Reiner Jorczik, Projektleiter Dr. Harald Gapski, Grimme-Institut, und vorne (von hinten) Frauke Jacobsen, Staatskanzlei NRW

Von links (hinten): MdL Alexander Vogt, Schulleiter Reiner Jorczik, Projektleiter Dr. Harald Gapski, Grimme-Institut, und vorne (von hinten) Frauke Jacobsen, Staatskanzlei NRW

Gerne wird der Einstieg in Medienbildungsprojekte über den Gefahrendiskurs gesucht, gerade wenn es um soziale Online-Netzwerke geht. Dann es geht um Cybermobbing, Urheberrechtsverletzungen, Angriffe auf Persönlichkeitsrechte und anderes mehr. Nicht so beim Projekt „Mashup“, hinter dem sich ein soziales Netzwerk für Medienkunst versteckt, welches sich an Jugendliche richtet und auf deren Medienkompetenz abzielt. Ein Besuch beim Projekt „Mashup“ war die „Aktionen vor Ort“ des medienpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Alexander Vogt (MdL), in der Realschule Crange in Herne am 4. Oktober. Anstatt (nur) um Risiken ging es hier vor allem um die Potenziale sozialer Online-Medien, wenn auch die problematischen Formen jugendlicher Mediennutzung durchaus Gesprächsthema waren.

Zwischen Kunst und E-Partizipation

„Mashup bezieht sich auf den Trend in der Kunstszene, Vorhandenes neu zusammen zu setzen; die Remix-Kultur. Mashup übersetzen wir aber auch als Aufruf zum ‚Misch-Mit’. Wir verstehen das Projekt politisch, als Anleitung zur Partizipation, gerade auch von Bildungsbenachteiligten,“ so Winfried Paetzel vom Bochumer Medien- und Kunstverein Ponte Courage, der 2003 gegründet wurde und seit einiger Zeit Kunst- und Medienaktionen mit Schülerinnen und Schülern im Ruhrgebiet durchführt. „Seit vier Jahren machen wir Medienkunst, arbeiten mit Fotos, Film usw., seit 2010 fokussieren wir uns auf Social Media“, so Paetzel weiter. „Dabei arbeiten wir an der Schnittstelle zweier Kulturen. Im Prinzip geht es um die Etablierung einer Jugendkunstschule im Internet.“ „Mashup“ läuft jetzt seit vier Wochen und ist aus den vorausgehenden Projekten „ex.quis.net“ und „Turbulente Ränder“ hervor gegangen. „Ex.quis.net“  führte Schüler(innen) der Realschule Crange in Techniken der Video-Collage ein. Mit „Turbulente Ränder“ produzierten Schüler(innen) der Erich-Kästner-Schule Bochum, der Melanchthon-Schule Herne und der Realschule Crange bereits Video-Clips zum Thema „Identität“. Zugleich wurden erste Erfahrungen mit einem Video-Portal gemacht.

Aktuell beschäftigten sich die Realschüler mit dem Thema „(Internet-)Identität“ und produzieren Fotos, Interviews und Videoclips zum Thema. Dabei tauschen sie sich über technische und künstlerische Fragen aus, sammeln so wichtige Erfahrungen mit ihrer eigenen „(Internet-)Identität“. Die Sicherheit und Privatsphäre auf der Mashup-Seite gewährleisten hierbei Arbeiterkind.de, eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft, und die Stiftung OpenNetworX, die Ponte Courage und das „Mashup-Projekt“ in ihren Seiten-Verbund aufgenommen haben.

Identität im Netz

Identität im Netz

„Projekte wie diese sind schön und gut, aber eigentlich muss ein eigenes Fach für Medien her“

Während Schulleiter Reiner Jorczik bei der „Aktionen vor Ort“ das Kulturprofil der Realschule Crange unterstrich – man engagiert sich beispielsweise am Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“ – und sich für ein Fach Medienkunde einsetzte, verdeutlichte Uwe Hirschmann, der projektbegleitender Kunstlehrer: „Das Projekt ist ein Beispiel dafür, dass sich Schule öffnet“.

„Bei mir persönlich laufen Sie da offene Türen ein“, so MdL Vogt zum Plädoyer für eine Fach Medienkunde. Er verwies zudem auf die Aktivitäten der Landesregierung in Sachen Medienkompetenzförderung; den Medienpass NRW, der jetzt für weiterführende Schulen weiter entwickelt wird. Für besonders wichtig beim Tag der Medienkompetenz, der am 26 November im Landtag NRW stattfindet, erachtet er: „Eine Veranstaltung wie diese soll alle Landtagsabgeordneten erreichen und mit dem Thema Medienkompetenz konfrontieren.“

MdL Alexander Vogt im Kreis der Schülerinnen und Schüler der Realschule Herne-Crange

MdL Alexander Vogt im Kreis der Schülerinnen und Schüler der Realschule Herne-Crange

Und die Schülerinnen und Schüler aus Herne? Haben Spaß an der Medienarbeit. Sie freuen sich: „Ist immer wieder was anderes, anders als der sonstige Unterricht.“ Und Karin Hielscher, Referentin Medienkompetenz bei Ponte Courage: „Schüler sollen sich ‚selbständig’ machen, sollen lernen: Wo bekomme ich die Bilder her, wo die Musik?“ Dabei biete das Projekt einen geschützen Raum; einen Lernraum. Und schauen Sie jetzt anders TV? „Ja klar“, Szenenschnitte oder der Einsatz von Musik werden jetzt anders wahrgenommen.

Und wie geht es weiter? In den nächsten Jahren wird das Soziale Netzwerk weiter wachsen und aktiv ausgebaut – jedes Jahr werden mehrere neue Schulen in das Netzwerk eingeführt und die etablierten Schulen darin begleitet, ihre Präsenz selbstständig zu gestalten. „Mashup“ soll sich zu einem dynamischen Bestandteil der Jugendkultur im Ruhrgebiet entwickeln. Als Aktionen sind für die Zukunft weitere regionale Projekte zu E-Partizipation und Medienkunst für Schüler(innen) geplant. Innerhalb des Netzwerkes sollen beispielsweise Schnittstellen zu Medienberufen hergestellt werden. Aber vorerst sieht man sich beim Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW!

 

 

 

 

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