Sep 102012
 

(c) TdM
MdL Matthi Bolte (2. v. l.) zu Besuch beim Bundesvorstand und Vertretern der Geschäfsstelle der GMK in Bielefeld

Unter dem Titel „Anregung statt Aufregung“ erarbeitete die GMK kürzlich eine Broschüre zu neuen Wegen zur Förderung von Medienkompetenz in Familien, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben wird. Kinder eben nicht anzuregen, sondern mit neuen Medien „anzufixen“ und damit ihren Bildungsweg negativ zu beeinflussen, das wirft Hirnforscher Manfred Spitzer der Medienpädagogik in seinem Buch „Digitale Demenz“ aktuell vor. Diese Kontroverse griffen die Mitglieder des GMK-Vorstandes sowie der GMK-Geschäftsstelle auf, um mit dem Landtagsabgeordneten Matthi Bolte über ihre Arbeit und die zukünftigen Aufgaben der Medienpädagogik zu diskutieren.

Medienkompetenz ein Bildungsmuss für jedes Alter

„Als hätte es Medienpädagogik nie gegeben“ so Dr. Ida Pöttinger, 1. Vorsitzende des GMK-Bundesvorstands, vergleicht Spitzer hier den Einsatz von Medien in Kindergarten oder Schule mit dem Verführen von Kindern zu Alkohol und Drogen. Renate Röllecke, wissenschaftlich-pädagogische Referentin in der Bielefelder Geschäftsstelle präzisierte die Position der GMK: „Wir brauchen keine medienfreien Zonen. Im Gegenteil, wir müssen uns noch viel intensiver mit Medien beschäftigen.“ Ein Schritt in diese Richtung ist eine Studie zu den „Chancen und Potenzialen digitaler Medien in NRW-KiTas“ an der die GMK aktuell arbeitet. Auch durch Publikationen und vielfältige Qualifizierungsangebote versucht die GMK Medienforschung und -praxis zu verknüpfen und dadurch die praktische Medienpädagogik in Deutschland zu unterstützen. Dass Medienpädagogik aber nicht nur auf Kinder und Jugendliche abzielen dürfe, formulierte Matthi Bolte, indem er die unterschiedlichen Bedürfnisse der Generationen gegenüber stellte: Während Kinder technische Kompetenzen selbstverständlich erwerben, überwiege bei vielen Älteren die „Angst vor dem Falschmachen“. Bei der Generation 50+ gelte es, das Selbstbewusstsein im Umgang mit neuen Medien zu stärken, während bei den Jugendlichen die kritische Reflexion gefördert werden sollte, so Bolte.

Die medienpädagogische Praxis unterstützen

Als Gefahr für die medienpädagogische Landschaft in Deutschland skizzierte Dr. Ida Pöttinger die immer neuen „Hypes“, also die Aufregung um Trendthemen wie z.B. Computerspielsucht. Diese führten zwar zu neuen Projekten, die dann aber in Konkurrenz zueinander treten und aufgrund von projektbasierter Finanzierung nur schwer nachhaltig arbeiten können. GMK-Geschäftsführer Jürgen Lauffer wies dabei auch auf das Ungleichgewicht zwischen der finanziellen Ausstattung von Schulen und der außerschulischen (Medien-)Bildung hin. Mit dem Dieter Baacke Preis für beispielhafte Medienkompetenzprojekte versucht die GMK neue Ideen und Ansätzen ein Forum zu bieten. Der Wunsch der GMK an die Politik daher: eine nachhaltigere Förderung von Initiativen, um eine medienpädagogische Grundbildung zu ermöglichen. Matthi Bolte sieht vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Spitzers Thesen die Chance, Politiker für das Thema zu sensibilisieren. Vom Tag der Medienkompetenz erhofft er sich Aufmerksamkeit und ein Grundverständnis für die Arbeit und die Fragen der Medienpädagogik zu schaffen. Zum Abschluss machte Dr. Ida Pöttinger, die in der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg im Bereich Medienkompetenz und Programmforschung tätig ist, deutlich, dass Besuche wie diese Aktion vor Ort mit Matthi Bolte ein Beweis für das Interesse der Politik an den Arbeit der Medienpädagogik im Land seien.

Lernen in der Zukunft – auch ein Thema für die GMK

Gleich in mehrfacher Hinsicht war die Sitzung des Bundesvorstands der GMK der ideale „Ort“ für den Startschuss zu den „Aktionen vor Ort“, die im Vorfeld des Tags der Medienkompetenz stattfinden werden. Als größter Fachverband in diesem Bereich vernetzt die GMK – von NRW aus – bundesweit medienpädagogische Wissenschaft und Praxis und spiegelt somit die Herausforderungen, der sich die gesamte medienpädagogische Landschaft in Deutschland stellen muss. Unmittelbar vor dem Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW findet vom 23. bis 25. November 2012 die Jahrestagung der GMK in Paderborn statt: Unter dem Motto „School’s out? Informelle und formelle Medienbildung“ fragt das diesjährige Forum Kommunikationskultur, wie und wo Lernen in Zukunft stattfinden wird. Wie digitale Medien unser Lernen verändern, ist auch eines der drei Schwerpunktthemen des Tags der Medienkompetenz. Weitere Informationen zur Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur sowie zu ihren Vorstandmitgliedern, der Bielefelder Bundesgeschäftsstelle und zu den Aktivitäten der GMK finden sich auf www.gmk-net.de.

Positionen der GMK zu Spitzers „Digitale Demenz“

Aktuell veröffentlicht die GMK eine Stellungnahme zur Debatte um Manfred Spitzers Buch. Prof. Dr. Dagmar Hoffmann, 2. Vorsitzende der GMK, argumentiert, warum sich die Medienpädagogik (nicht) mit der „digitalen Demenz“ auseinandersetzen sollte: Digital dement vs. medienkompetent.

Prof. Dr. Bernward Hoffmann, ebenfalls Vorstandsmitglied der GMK, kommentiert Spitzers Argumente ausführlich und liefert ein „Best-Of“ von Zitaten: Mit Vorsicht genießen?

In einer Linksammlung zum Thema verweist die GMK auf aktuelle Pressestimmen und (wissenschaftliche) Repliken zu Manfred Spitzer: Kompetenz statt Demenz – Linksammlung zu Manfred Spitzers ‚Digitaler Demenz‘ 

 Veröffentlicht von

Kommentare sind derzeit nicht möglich.